RECHERCHE. ANALYSE. PERSPEKTIVE.
Das antifaschistische Magazin
Permalink: https://www.der-rechte-rand.de/ausgaben/ausgabe-213/
Druckzeitpunkt: 03.02.2026, 23:39:02
Das antifaschistische Magazin
#Kriminalisierung
#BetterTogether
Liebe Leser*innen,
den gemächlichen Start ins neue Jahr gibt es nicht mehr, vom Sommerloch haben wir uns ja auch schon verabschiedet. Auf der internationalen Bühne haben mittlerweile die Autoritären aller Schattierungen die Hauptrollen. Die Ergebnisse dieser Politik können täglich auf allen Kanälen betrachtet werden: der Rollback und die Abwicklung von Demokratie und Humanismus. Bei uns steht 2026 wieder ein »Superwahljahr« an – vier Landtagswahlen, drei Kommunalwahlen und Berlin wählt sein Abgeordnetenhaus. Die Partei, welche die Demokratie und Humanismus hierzulande abwickeln möchte, steht in den Umfragen glänzend da. Alle Skandale und Widersprüche, ja selbst die Einstufung des inländischen Geheimdiensts als »rechtsextrem«, scheinen der »Alternative für Deutschland« (AfD) nicht zu schaden. Was bedeutet das für uns, für Antifaschist*innen, die seit über einem Jahrzehnt warnen, mahnen, recherchieren und analysieren? Es bedeutet, den Frust zu überwinden und weiterhin eine Stimme gegen das rechte Rauschen zu sein und zu bleiben. Die Mittel und Ebenen dazu sind vielfältig. Sei es im engen Familienkreis, in der Schule, im Verein oder im Beruf. Auch im öffentlichen Raum muss der Einspruch sichtbar und hörbar bleiben. Die Proteste gegen die Gründungsveranstaltung der »Generation Deutschland« in Gießen waren da ein eindrucksvolles Beispiel unter vielen. Eine andere Möglichkeit des Engagements ist die finanzielle Unterstützung der zahlreichen progressiven Initiativen – gerade und vor allem jene abseits der westdeutschen Großstädte. Neben der Wertschätzung ihrer Arbeit ist die Unabhängigkeit von einer mehr oder weniger gönnerhaften Politik mittlerweile überlebenswichtig, –insbesondere vor dem sich am Horizont abzeichnenden Machtzuwachs für die AfD. Dieser findet nicht nur medial beim Überbietungswettbewerb in Talkshows, sondern auch bei TikTok und Instagram statt.
Politisch sind die Kräfteverhältnisse in den Parlamenten entscheidend. Dort wird auch die Forderung nach dem Verbot der AfD verhandelt. Dabei darf der Druck aus der Zivilgesellschaft nicht nachlassen. Der Blick über die Landesgrenzen zeigt, dass Wahlen eben nicht auf die leichte Schulter zu nehmen sind. Sie sind vielmehr eine Errungenschaft und ein demokratisches Handwerkszeug. Die Angriffe der Rechten, national wie international, auf die Wahlen – Änderung der Wahlkreise, Unterstellung von Manipulation, Entsendung von angeblich notwendigen Beobachter*innen, Überlegungen zum Entzug des Wahlrechts für bestimmte Gruppen und die Forderung nach Abschaffung der Briefwahl – machen das deutlich. Diese Attacken sind Ausdruck der Sorge, der Nimbus der Unbesiegbarkeit und die Zwangsläufigkeit des rechten Durchmarsches könnten gebrochen werden. Nicht ohne Grund holt sich Viktor Orbán Unterstützung von der Internationalen der extrem Rechten für die Mitte April anstehenden Parlamentswahlen. Die kürzlichen Wahlerfolge der Demokraten in den USA, die Achtungserfolge des linken Spektrums bei den dänischen Kommunalwahlen im November 2025 sind allerdings ermutigende Signale.
Für Antifaschist*innen bedeutet es, im neuen Jahr weiterhin aktiv zu sein, sich entsprechend den eigenen Möglichkeiten zu engagieren und Haltung zu zeigen. In diesem Sinne wünschen wir unseren Leser*innen alles Gute für 2026!
Eure Redaktion
Seit 1989 erscheint »der rechte rand« alle zwei Monate. Wir berichten über rechte Parteien, Kameradschaften, rechte Think Tanks, Webportale, Magazine und Verlage, Musikbands und Label, Aufmärsche und Tagungen, Themen und Kampagnen – in der Bundesrepublik sowie international. Fundierte und prägnante Recherchen und Analysen lenken die Aufmerksamkeit auch auf unterbelichtete oder ausgeblendete Aspekte. Das Magazin zeigt, wie der rechte Rand gesellschaftlich verankert ist und an Themen der gesellschaftlichen ‚Mitte’ anknüpft. Für unser Magazin schreiben Aktive aus antifaschistischen Gruppen, Journalist*innen und Wissenschaftler*innen. Unsere Autor*innen beobachten Aufmärsche aus der Nähe, berichten aus geschlossenen Veranstaltungen der rechten Szene, werten Flugblätter und Zeitschriften aus. Unsere Autor*innen sind Expert*innen und beschäftigten sich seit Jahren mit dem Thema.
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